02/12 – Gekürte Pflicht – Drei Helfer für gute Pflichtenhefte

Linux Magazin Ausgabe April 2014

Beschreibung

Niemand mag sie schreiben, doch sind sie geradezu ein Wundermittel gegen das Scheitern von Softwareprojekten, gegen überzogene Kundenwünsche und Verständnisprobleme zwischen Auftraggebern und Dienstleistern: Pflichtenhefte. Textverarbeitungen und Templates bieten eine solide Arbeitsgrundlage.

„Hallo lieber Dienstleister, in diesem komischen WordPress fehlt ein Knopf, mit dem ich den Text blinkend machen kann, und außerdem will ich das Logo links oben gegen eines mit Weihnachtsmütze austauschen, das mein Neffe selbst mit Paint gemalt hat. Wäre schön, wenn Sie das bis gestern erledigen können, ich hab vor zwei Jahren schließlich genug für das Blog gezahlt.“ So oder doch so ähnlich könnte er klingen, der Anruf eines Kunden aus der Hölle [1], der aber vielleicht endlich den Anstoß dazu gibt, in Zukunft nur noch mit Lasten- und Pflichtenheften zu arbeiten, um die Kommunikation zu verbessern.

Beispiel: Ein Kunde namens „Pizza auf heißen Reifen“ gibt ein neues Web-Bestellsystem beim mittelständischen Softwarehaus „Zuses Erben“ in Auftrag. Im Lastenheft beschreibt der Pizzabäcker genau seine Wünsche und Forderungen und erklärt, was das neue System können soll und wie es an die internen Vorgänge der einzelnen Filialen angekoppelt ist. Das Pflichtenheft wiederum beschreibt, wie und womit „Zuses Erben“ die Anforderungen erfüllen wollen.

Auf diese Weise erhalten sowohl Kunde als auch Dienstleister Gewissheit, dass die Programmierer genau im Blick haben, wie sie die technische Seite der Aufgabe anpacken wollen, aber das Verfahren zeigt auch die Grenzen der Zusammenarbeit auf. So bietet „Zuses Erben“ dem Pizzakonzern beispielsweise eine grundlegende Schulung aller Filialleiter an, schiebt aber zugleich Wünschen nach andauerndem kostenlosen Support einen schriftlichen Riegel vor.

Vor der eigentlichen Entwicklung, der Praxis, steht also zunächst die mehr oder weniger trockene Pflicht, die Theorie. Wie genau ein solches Heft aufgebaut sein sollte und was hineingehört, ist längst nicht allgemeingültig geklärt. Als heimlicher Standard gilt das Konzept des Dozenten für Softwaretechnik Helmut Balzert [2]; ein Gliederungsvorschlag findet sich unter [3].

Technische Hilfsmittel ersetzen zwar keine grundlegenden Kenntnisse über Pflichtenhefte und deren Struktur, erleichtern aber die Arbeit. Als Assistenten treten in diesem „Bitparade“-Test ein Open-Office-Template und eine Latex-Vorlage an. Beide messen sich mit der hierarchischen Textverarbeitungsumgebung Scrivener. Auf dem Prüfstand stehen nicht nur die Benutzerfreundlichkeit, sondern die drei Kandidaten sollen auch zeigen, wie aufwändig es ist, sie an eigene Bedürfnisse anzupassen, und wie viel Vorwissen sie dem Pflichtenheft-Autor abverlangen.

Seite 54

Kunde

Medialinx

Umfang

4 Heftseiten

Themen

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