01/12 – Alle Macht dem Volke – Vier Liquid-Democracy-Tools im Test

Linux Magazin Ausgabe Januar 2012

Beschreibung

Das Tauziehen um „Stuttgart 21“ und die explodierende Zahl an Online-Petitionen machen klar, dass die Bürger nach mehr Mitbestimmung und Demokratie rufen. Sie wollen nicht mehr nur als Wahlvieh alle vier Jahre an die Urnen gebeten werden, sondern direkten Einfluss nehmen – Liquid Democracy soll es möglich machen.

Es war eine Premiere mit Hindernissen: Die Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages, die unter dem Eindruck der Petition gegen die „Zensursula“-Netzsperren mit über 130 000 Teilnehmern gegründet wurde, wollte einen 18. Sachverständigen zu Wort kommen lassen: das Volk. Eine Instanz der Liquid-Democracy-Software Adhocracy [1] sollte das möglich machen.

Als es Zeit wurde, die Pläne umzusetzen, waren den CDU-Mitgliedern der Kommission die Kosten zu hoch. Die Netzgemeinde lästerte, dass wohl eher die Angst vor dem Ungeheuer „direkte Bürgerbeteiligung“ den Ausschlag gegeben habe. Erst im September letzten Jahres konnte man sich einigen – die Obleute-Runde beschloss, die Bürgerinnen und Bürger zur Mitarbeit einzuladen ([2], [3]).

Andere Parteien taten sich da leichter. Sie erkannten Liquid Democracy als Strategie gegen die zunehmende Politikverdrossenheit und als Mittel, um die eigene Basis besser in die Entscheidungsfindung einzubinden. Die Parteien Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, SPD und FDP experimentieren seit einiger Zeit mit Adhocracy, die Piratenpartei mit Liquidizer [4] und Liquid Feedback [5]. Ein viertes Tool namens Votorola [6] macht von sich Reden, steckt aber noch in der Entstehungsphase (siehe Kasten „Votorola“). Es tritt daher im folgenden Vergleichstest außer Konkurrenz an.

Liquid-Democracy-Tools helfen überall dort, wo es unterschiedliche Strömungen und Meinungen gibt, einen gemeinsamen Weg zu finden. So spricht nichts dagegen, eine solche Software für Abstimmungen bei Open-Source-Projekten einzusetzen und Kompromisse zu erarbeiten, etwa welche Features kommende Programmversionen haben sollen.

Diese Bitparade untersucht, welche Anforderungen die Tools an Server und Webbrowser stellen und wie es um die Skalierbarkeit steht. Darüber hinaus prüft der Test, wie die Systeme Abstimmungen steuern, beeinflussen und auswerten, ob die Tools Diskussionen möglich machen und Stimmen an andere Personen abgeben können. Last but not least, stehen die Privatsphäre der Anwender und die Usability auf dem Prüfstand.

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